Thoughts

„Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.“

Oscar Wilde soll diesen Satz angeblich kurz vor seinem Tode im Pariser „Hotel d’Alsace“ am 30ten November 1900 gesagt haben.

Wilde war ein irischer Schriftsteller, der für seinen ausgeprägten Humor bekannt war. Außerdem ist er für die damalige Zeit sehr freizügig mit seiner Homosexualität umgegangen und ist darüber hinaus als Dandy und Unterhalter berüchtigt gewesen.

Mir ist letztes Jahr ein Buch in die Hände gefallen, in dem gesammelte Werke von ihm enthalten sind. Unter anderem der bekannte Roman Das Bildnis des Dorian Gray (The Picture of Dorian Gray 1891).

Seit dem ich diese gesammelten Werke in der Hand hielt, ging mir dieser Oscar Wilde nicht mehr aus dem Kopf.

Ohne vorher viel über den Autor zu wissen hat mich der Charakter hinter diesen Worten so fasziniert, dass ich mehr erfahren musste. Als ich nach wenigen Recherchen herausgefunden habe, dass Oscar sich schon während seines Studiums dem Ästhetizismus verschrieben hat, wurde er mir noch sympathischer.

Ästhetizismus bedeutet im Grunde das Leben um der Schönheit Willen zu leben. Das Leben zu lieben und es auch wirklich zu leben und nicht nur zu existieren. Eigentlich ist es auch genau das was ich mit meiner Kunst versuche – jeden Tag aufs Neue. Nicht so leicht in unserer leistungsorientierten Gesellschaft, die nur auf Profit und Kapital abzielt.

Im 19. Jahrhundert kam der aus dem Englisch-Schottisch stammende Begriff des Dandy auf, mit dem seither Ästhetizismus als Lebensform bezeichnet wird.

Wilde verkörpert das Dandytum durch und durch ohne dabei jemals unproduktiv gewesen zu sein.

Sein Charakter ist bis heute vielen Menschen rätselhaft. Er verstand es seine tiefsinnigen Gedanken hinter seinem legerem Lebensstil zu verstecken. Eigentlich war er nämlich ein Perfektionist was seine Werke angeht.

In meinen Augen ist er einer der wenigen Menschen die das Leben überhaupt richtig verstanden haben. Nämlich das Leben zu leben um der Schönheit Willen und trotzdem Dinge kritisch zu betrachten und sein Leben im Griff zu haben. In der heutigen Zeit wird man schnell als naiv, realitätsfern und faul abgestempelt wenn man den Fokus auf die Schönheit des Lebens richtet- aber dabei wird oft vergessen, dass dazu trotzdem auch Arbeit, Schöpfertum und Vertrauen vorallem in sich selbst und seine Fähigkeiten gehört. Und ich denke das sind alles Punkte, die, wenn sie Jeder für sein Leben berücksichtigt und sogar in den Vordergrund stellt, das Fundament für eine starke und gesunde Gesellschaft bilden. Ich finde Oscar Wilde ist ein wunderbares Beispiel für eine Person die das alles miteinander vereint hat.

Im Grunde hat Wilde damals schon erkannt, was die Essenz des Lebens bedeutet und hat sich mit Hilfe seines Humors auch die nicht so schönen Dinge des Lebens so angenehm wie möglich gemacht.

Diese Tugend erinnert mich sehr an meinen Großvater der in jeder Situation einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte. “Ohne den Humor sind wir verloren”, hat er einmal zu mir gesagt und mich unzählige Male zum Lachen gebracht. Ich versuche mich daran zu erinnern wenn ich das Leben wieder zu ernst nehme.

Ich finde von diesen beiden Herren darf man sich in dieser und jener Hinsicht gerne eine große Scheibe abschneiden…

Vielen Dank Mr.Wilde – Sie haben meine Seele berührt.