Cool Thoughts Yei

Sketchbook – NYC – 2013

NYC Sketch MermaidDas erste Mal in die Staaten – das erste Mal NEW YORK Fu.. CITY! Und das direkt drei Monate und alles begann auch noch mit einer Woche Lookbook Shooting für K1X.

Das war wohl in meinem Leben bisher das Beste was passiert ist. Das Privileg bei einem Shooting zu assistieren und auf den coolsten Basketball Courts der Stadt zu chillen und die Stadt in der ersten Woche direkt aus dem Blickwinkel der Einheimischen New Yorker zu erfahren ist ein riesen Glück gewesen.

 

Unser Fotograf Jon Lopez ist in NYC aufgewachsen und kannte wirklich alle coolen Spots, Courts und zu meiner persönlichen Freude die besten Restaurants. Ich fand es immer besonders verrückt, wenn wir auf der Suche nach einer geeignetet Location waren und er dann ständig irgendwelche Leute grüßte die er kannte – ganz egal ob wir Uptown, Downtown, Eastside oder Westside waren – irgendjemanden kannte er immer. Das hat mir irgendwie direkt ein heimisches Gefühl gegeben.

 

Allgemein war ich nach der ersten unruhigen Nacht in meinem Appartment in der 151ten und erstem Kulturschock ziemlich schnell dort angekommen. Ich hatte auch nicht viel Zeit darüber nachzudenken, weil es am nächsten Morgen direkt ab zum Shooting ging.

Aber ich werde niemals das Gefühl vergessen als ich aufgewacht bin – gefühlt drei LKW´s über mich gefahren, die Matratze war komisch und die Gerüche waren alle so fremd, ich hatte kaum geschlafen, ich war Luftlinie 6.266,33 km weit weg von Zuhause, in einem Appartment mit fremden Menschen. Als ich aus dem Fenster sah, schaute ich gegen eine Wand mit dreckigen Fenstern. Als ich näher zur Scheibe trat und an der Wand entlang hoch schaute und ein Stückchen vom strahlend blauen Himmel sah – da dachte ich mir – DU BIST IN NEW YOOORK CITYYY! WIE IST DAS PASSIERT!!?

Das war neben dem Modedesignstudium mein größter Traum und er war endlich wahr geworden. Es war zu unwirklich. Das war das beste Gefühl überhaupt. Euphorie hin oder her – gleich Shooting – jetzt muss ich aber los!

Springstreet war glaub ich, der erste Treffpunkt mit den Jungs und ich hatte mir nichtmal vorher einen Subway Plan auch nur eine Sekunde lang angeschaut – Vorbereitungen sind mein großes Ding. Nicht. Naja aber meine Vermieterin hatte mir zum Glück so einen Plan auf den Küchentisch gelegt und meine mir noch völlig fremde Mitbewohnerin war auch schon wach – die hat mir das dann noch schnell erklärt und dann bin ich auch schon los. Klappt schon.

Die erste Woche war super spannend, anstrengend und  eindrucksvoll. Ich habe komplett einmal die ganze Stadt kennengelernt und das nur von der coolen Seite – überhaupt nicht touristisch. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich ohnehin viele Touristen Sachen ausgelassen habe. Irgendwie hatte ich so meine eigenen kleinen Highlights in der Stadt. Union Square Park zum Beispiel und riesen Spaß beim Einkaufen im Traider Joes in der 71ten. Da stehst du nach Feierabend tatsächlich bis 5 Meter vorm Laden in der Schlange an – erst denkst du das ist ein angesagter Club oder so – aber nein – wenn du nicht reich bist und bei Whole Foods einkaufst, dann stellst du dich hier an. Schnell stellte sich heraus, das Mandelmilch unsweetened Vanilla, High Fiber Cereals und die 4er Packung Blueberrymuffins mit cinnamon crumbles, meine Grundnahrungsmittel für 3 Monate bilden werden – ich würde alles dafür geben das hier zu bekommen!

Das Pick me up Cafe im East Village quasi schon mein zweites Zuhause geworden. So ein wunderbarer Ort!  Sobald ich dort durch die Tür trat ist die Zeit stehen geblieben. New York hat ganz viele solcher kleinen “Rabbit holes”. Es ist wie verzaubert, der ganze Stress und Trubel der wuselnden glitzernden lauten Stadt bleibt einfach draussen. Hab mich ständig gefühlt wie Alice im Wunderland.

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Die Arbeit mit Heike Jarick zusammen bei Michael Kors und London FOG war wohl das Zweite große Highlight meiner Reise. Gemeinsam als Freelancer in der weltbekannten Fashion Avenue – in einem dieser riesigen Hochhäuser mit Empfangsdame. Komplett ins kalte Wasser geschmissen durfte ich mit Heike zusammen zwei neue Active Lines, eine für Michael Kors und parallel eine für London FOG entwerfen und sampeln lassen.

Ich hatte keinen blassen Schimmer wie das alles so in letzter Konsequenz läuft aber hab natürlich die ganze Zeit so getan als wüsste ich genau was ich da tue. Ein gutes Pokerface ist das erste was Du in so einer Firma lernst. Das was mich letztendlich über Wasser gehalten hat waren meine Erfahrungen die ich bei K1X im Praktikum gesammelt hatte und Google. Bella (meine Vorgesetzte bei K1X) hatte mir damals schon ein kleines Projekt zugewiesen was ich quasi auch selbsttändig in Asien produzieren lies. Und ich habe natürlich immer mitbekommen was Sie so macht und immer versucht mir alles zu merken und auch aufzuschreiben. Das hat mir echt mein Leben gerettet. Naja aber im Endeffekt kochen doch alle nur mit Wasser – ob sie Michael Kors, Diane von Füstenberg, K1X oder sonstwie heißen.

 

Nach den ersten 3 Tagen in dieser Firma hatte ich das erste mal kurz ca 30 Minuten Zeit – Zeit um mal alles Revue passieren zu lassen was in den letzten drei Tagen alles passiert ist. Das war nämlich verdammt viel – tausend neue Namen gelernt, von iOS wieder auf Microsoft geswitched, alles alles alles auf englisch, technische Zeichnungen am laufenden Band machen – das zum ersten Mal mit einem Grafiktablett, ganze Tech Packs bauen ( jede Firma macht das anders) – und f*ck die haben ja Inches statt CM angaben! Probieren die Firmenstruktur zu verstehen, das komische Telefon-Nachrichten-System zu verstehen und wichtige Durchwahlen merken, probieren die Serverstruktur  zu verstehen, die Menschen um mich herum verstehen, probieren die Kaffemaschine zu verstehen, in der Küche den Gossip über die neue Diane von Fürstenberg Deisgnerin mitzubekommen, die neuen Stoffe und Trims raussuchen, neue Reisverschlüsse, Knöpfe etc. entwerfen und entwickeln lassen, mich den Produzenten vorstellen und irgendwelche Stoffe ordern, am besten nichts drucheinander werfen und die ganze Zeit so tun als wär das alles schon Routine. Dabei natürlich komplett seriös wirken. Am allerbesten alles gleichzeitig und selbstredend sieht man immer so aus als würde man gleich zur Met-Gala gehen.

Naja – wie gesagt ich hatte also nun gefühlt meine erste richtige Mittagspause – ich fahre mit dem Aufzug vom 12ten Stock runter – ich gehe raus, es ist schwül warm draussen, der himmel mit weißen Wolken bedeckt. Ich lehne mich nur mit meinen Schultern an das Gebäude. Was passiert hier gerade? Was mache ich hier? Der Times Square ist um die Ecke. Ich bin ganz alleine hier. Die Jungs sind schon vor einer Woche abgereist.

Ich atme tief durch, kann die Tränen aber nicht mehr zurückhalten. Ok erstmal eine Runde heulen angesagt. Ich hab mich plötzlich so alleine und überfordert gefühlt in Mitten dieser riesigen Stadt, in dieser Firma.  Es hat nichtmal 10 Sekunden gedauert und die ersten Passanten sind zu mir gekommen und haben gefragt ob sie mir helfen können – ob alles in Ordnung sei. Die Amerikaner sind irgendwie süß wenn es um sowas geht. Es gibt so viele Menschen auf der Welt und vor allem so viele gute Menschen – das war genau das was ich in dem Moment gebraucht habe, einfach das Gefühl, das es irgendwen interessiert wie es mir gerade geht. Also schnell wieder beruhigt und das gemacht was jeder in diesem Moment tun würde. Richtig! Mama angerufen.

Nachdem ich ihre Stimme gehört habe war auch alles wieder gut. Aufgelegt.

Die ganzen Zweifel abgeklopft, aufrecht hingestellt, Schultern zurück,  tief durchgeatmet und wieder rein – ab in den 12ten Stock.

Weiter geht’s – Du wirst es überleben Madame!

SketchesNYC

Zirka zwei Monate später hat mir ein Mädel auf einer Party erzählt – “you have never  lived in NYC if you didn´t cried in public”.

… well – CHECK!

 

www.jonlopezphotography.com